- Schwerpunktthema

Kanalisation erreicht drei Viertel der Bevölkerung / Zahl der Kläranlagen nimmt zu.

 

In der Abwasserentsorgung der Türkei gibt es noch großen Handlungsbedarf. Die Aktivitäten der letzten Jahre Abwasserentsorgung in der Türkei wird verbessert / Magazin August 2010haben zwar bereits umfangreiche Investitionen in Leitungsnetze und Klärwerke in Gang gesetzt. So hat sich die Zahl der Anlagen innerhalb von zehn Jahren etwa verdoppelt. Dennoch waren 2008 nur rund 46% der Gesamtbevölkerung an eine Wassereinigungsanlage angeschlossen. Den Investitionsbedarf zwischen 2007 und 2023 beziffert das türkische Umweltministerium mit circa 18 Mrd. Euro. Das türkische Statistikamt (Türkiye Istatistik Kurumu, TÜIK) hat Ende April 2010 aktualisierte Zahlen zum Abwasserwesen vorgelegt. Demnach wurden 2008 im Jahr insgesamt 3,26 Mrd. cbm Wasser in den Kanalisationsnetzen des Landes gesammelt und abgeleitet. Pro Einwohner der Türkei fielen durchschnittlich 173 Liter Abwasser am Tag an. Rund drei Viertel der Kommunen verfügten zu diesem Zeitpunkt über eine geregelte Abwassersammlung. Nur 14% der Gemeinden haben bisher allerdings Anschluss an eine Kläranlage. Da es sich hierbei vor allem um größere Städte handelt, wird durch die 236 bestehenden Anlagen jedoch mit 46% fast die Hälfte der türkischen Bevölkerung erreicht. Wie Daten des Umweltministeriums in Ankara zeigen, wurden noch 1994 lediglich die Abwässer von 12% der türkischen Bevölkerung einer Reinigung zugeführt. Bis 2002 konnte dieser Anteil auf 34% gesteigert werden. Den größten Anteil daran hatte die Inbetriebnahme von sechs Klärwerken im Großraum Istanbul, der allein rund 25% der kanalisierten Abwässer der Türkei produziert. Die nachfolgenden Großstädte Izmir und Ankara kommen jeweils für 6% bis 7% der gesammelten Abwassermenge auf.

Eine Reihe von Gesetzen und Verordnungen hat in den vergangenen Jahren die Grundlage für einen massiven Ausbau des Abwasser-Entsorgungsnetzes der Türkei gelegt. Basis ist das Umweltgesetz von 1983 (Nr. 2872), zusammen mit Änderungen von 2006 (Nr. 5491), von dem ausgehend Verordnungen einzelne Teilbereiche regeln. Das türkische Umweltministerium hat darüber hinaus 2007 einen Aktionsplan zur Abwasserentsorgung (Atiksu Aritimi Eylem Plani 2008 - 2012) vorgelegt, der das ins Auge gefasste weitere Vorgehen beschreibt. Er enthält die Analyse der Situation nach Abflussbecken sowie eine Aufstellung nach Provinzen aller zum Erhebungszeitpunkt bestehenden Kläranlagen in den einzelnen Kommunen und gibt zudem an, wo konkret neue Anlagen geplant sind. Der Investitionsbedarf wurde in einer weiter ausgreifenden Perspektive bis 2023 umrissen. Demnach sollen jährlich in diesem Zeitraum zwischen 0,8 und 1,4 Mrd. Euro in die Abwasserentsorgung fließen. Rahmen dieser Berechnungen ist die 2006 verfasste Anpassungsstrategie an die EUUmweltstandards (AB Entegre Cevre Uyum Stratejisi, UCES). Von den Investitionen in Höhe von insgesamt rund 18 Mrd. Euro sollen 42% in die Erneuerung maroder Abwasser- Leitungsnetze, 9% in die Modernisierung bestehender Kläranlagen, 21% in den Bau neuer Abwasserleitungen und 28% in die Errichtung neuer Klärwerke fließen. In der Neufassung des Umweltgesetzes wurde der Zeitraum für die Maßnahmen auf die zehn Jahre 2008 bis 2017 verkürzt. Das im Aktionsplan formulierte Ziel ist es, bis dahin alle Einwohner von Gemeinden mit einer Bevölkerung von 10.000 oder mehr an Kläranlagen angeschlossen zu haben.

Anlagen decken Energiebedarf aus Eigenproduktion und senken Betriebskosten

Wie Recep Akdeniz, Unterabteilungsleiter im Türkischen Ministerium für Umwelt und Forsten, anlässlich eines Abwasserentsorgung in der Türkei wird verbessert / Magazin August 2010Deutsch-Türkischen Workshops zu den Themen Klimaschutz, Abfall und Abwasser Anfang Mai 2010 in Ankara ausführte, werden derzeit insgesamt 27 Projekte im Wasserbereich von der EU im Rahmen des IPA (Instrument for Pre-Accession Assistance) unterstützt, darunter der Bau von sechs Klärwerken. Auf dem Feld der Erweiterung und Modernisierung bestehender Anlagen ist vor allem der Bau von Faulgastürmen zu nennen, mit denen sich ein erheblicher Teil der zum Betrieb der Anlagen notwendigen Energie in Form von Biogas gewinnen lässt. Sehr erfolgreich war hierbei beispielsweise die Wasser- und Abwasserverwaltung der Stadt Ankara (ASKI), die bei ihrer Großkläranlage circa 80% des Energiebedarfs auf diese Weise decken kann. Aktuell befinden sich laut Akdeniz landesweit drei solche Faulanlagen im Bau, drei weitere in der Planung. Zur besseren Erschließung des türkischen Marktes für Wasser- und Abwassertechnik plant das German Water Partnership, das die Aktivitäten zahlreicher kleiner und mittelständischer Unternehmen des Sektors bündelt, im März 2011 einen "German Water Partnership Day" in der Türkei durchzuführen.

Dr. Marcus Knupp

Germany Trade & Invest, Istanbul

www.gtai.de

 

 
Abwasserentsorgung in der Türkei wird verbessert / TD-IHK Magazin August 2010
Görkem Çetinci