- Schwerpunktthema

2008 schätzte der Verein Türkischer Geschäftsleute und Unternehmer TÜSIAD das nötige Investitionsvolumen, um die Türkei auf EU-Standards zu bringen auf 68 Mrd. Euro, wobei 50 Mrd. Euro auf öffentliche Investitionen entfallen.

 

Am 22. Dezember 2009 wurden die EU-Beitrittsverhandlungen zum Thema Umwelt begonnen. Kurz zuvor war Neue Infrastruktur für den Umweltschutz in der Türkei / Magazin August 2010die türkische Regierung mit einer Strategie zur Emissionsreduzierung zum Kopenhagener Klima-Gipfel gereist. Die Ratifizierung des Kyoto-Abkommens lag nur wenige Monate zurück. Auf dem Gebiet des Umweltschutzes besteht eine langjährige deutsch-türkische Zusammenarbeit, die viele Dimensionen umfasst. Zum einen beteiligte sich die Bundesregierung finanziell an zahlreichen Projekten des Umweltschutzes in der Türkei – insbesondere auf den Feldern Abwasserklärung, Bau von Kanalisationssystem und Abfallmanagement. Die Bundesregierung hat im Rahmen der deutsch-türkischen wirtschaftlichen Zusammenarbeit bis 2009 rund 800 Millionen Euro für die kommunale Umweltinfrastruktur, insbesondere für den Bau von Kläranlagen, bereitgestellt. Weitere 100 Millionen Euro sollen folgen. Projekte in zwölf Kommunen wurden abgeschlossen. Die Umwelt- und Gesundheitsgefährdung hat sich in Folge für 7,5 Millionen Menschen messbar verringert. Zum anderen sind deutsche Unternehmen am Aufbau der Infrastruktur beteiligt. Deutsche Firmen errichteten beispielsweise Kläranlagen in Izmir, Kayseri und Ankara, um nur einige Beispiele zu nennen. Zudem erstreckt sich die vielfältige wissenschaftliche Zusammenarbeit auch auf Umweltfragen. Hier werden neben Symposien und Tagungen auch gemeinsame Projekte durchgeführt. Ein Beispiel ist das vom Institut für angewandtes Stoffstrommanagement IfaS an der FH Trier und der Akdeniz Universität in Antalya durchgeführte Projekt, das nicht nur einen Beitrag zur Lösung von Umweltfragen der Hauptstadt des türkischen Tourismus, sondern auch zur Verwirklichung des Ziels der Universität, einen „Null Emission Campus“ zu entwickeln, leistet.

Bedeutender Nachholbedarf bei Abwasser und Müll

Das Türkische Statistikinstitut gibt die öffentlichen Umweltausgaben für 2008 mit 8,98 Mrd. YTL (rund 4,5 Mrd.Neue Infrastruktur für den Umweltschutz in der Türkei / Magazin August 2010 Euro) an, wobei 3,35 Mrd. TL auf Investitionen entfielen. 72,43 Prozent dieser Investitionen entfielen auf Kommunen. Nach Anwendungsbereichen gegliedert entfielen die Investitionen zu 55 Prozent auf die Wasserversorgung, zu 24 Prozent auf das Abwassermanagement und zu 5 Prozent auf die Mülldeponierung. Die Aufwendungen des Privatsektors für Umweltschutzmaßnahmen werden für 2007 auf 783 Mio. TL geschätzt. 648 Mio. TL entfallen auf die Industrie, wobei 178 Mio. TL für Investitionen aufgewandt wurden. Rund die Hälfte der industriellen Umweltinvestitionen entfiel auf das Abwassermanagement. Bis 2006 wurde das kommunale Abwassermanagement auf ein Niveau ausgebaut, bei dem 64 Prozent des gesammelten Abwassers vor der Ableitung aufbereitet wird. Die Zahl kommunaler Kläranlagen wird mit 184 angegeben. 72 Prozent der Stadtbevölkerung waren an die Kanalisation angeschlossen. 2006 sammelten türkische Kommunen 25,28 Mio. Tonnen Abfälle. 38 Prozent des Mülls wurden der Beseitigung bzw. Wiederverwertung zugeführt. 10 Mio. Tonnen wurden auf Deponien entsorgt. Landesweit bestanden 22 zugelassene Deponien. Die Zahl der Verbrennungsanlagen wird mit drei, die der Kompostierungsanlagen mit vier angegeben. In Verbrennungsanlagen wurden 28.000 Tonnen gefährlicher Abfälle vernichtet.

Kommunale Investitionen und Projekte

Allein Istanbul produziert täglich 14.000 Tonnen Abfall, der auf zwei Großdeponien gelagert wird. Der Neue Infrastruktur für den Umweltschutz in der Türkei / Magazin August 2010Abfallmanagementplan sieht vor, dass bis 2013 ein größerer Anteil dieser Abfälle entweder der Wiederverwendung oder der Energieerzeugung zugeführt wird. Die Großstadtverwaltung hat dazu die ISTAC gegründet, die 2009/10 mit einem Budget von 12 Mio. Euro ausgestattet ist. Vorgesehen ist zudem, nach dem Build Operate Verfahren die Privatwirtschaft einzubeziehen. Als ein erstes Projekt ist eine Biogasanlage vorgesehen, die eine Kapazität von 150 Tonnen pro Tag haben wird. Ein weiteres Projekt bezieht sich auf eine spezialisierte Anlage für medizinische Abfälle und eine Müllverbrennungsanlage, die 30-35 MW Strom liefern soll.

 

 
Neue Infrastruktur für den Umweltschutz in der Türkei / TD-IHK Magazin August 2010
Görkem Çetinci