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Die Türkei konnte in diesem Jahr wieder beachtliche Zuwächse bei den ausländischen Besuchern verbuchen.

Der DIHK stellt fest, dass insbesondere auch der Tourismus stark von der guten Konjunktur in Deutschland profitiert. Gleichwohl sieht sich der Tourismussektor vor einige Herausforderungen gestellt. In den ersten neun Monaten 2010 besuchten rund 26 Millionen ausländische Touristen die Türkei. Dies bedeutet einen Zuwachs um 1,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Freude des Sektors erweist sich jedoch als verhalten, denn der vom Türkischen Statistikinstitut vorgelegte Bericht zum 3. Quartal im Tourismus zeigt, dass die Einnahmen um 10 Prozent gesunken sind, während die Ausgaben um 19 Prozent stiegen. Die Einnahmen aus dem Tourismus belaufen sich auf 8,574 Mrd. Dollar, denen Ausgaben in Höhe von 1,306 Mrd. Dollar gegenüberstehen.
Veränderungen bei Reisegewohnheiten
Im Frühjahr 2010 veröffentlichte die EU-Kommission eine Studie zu Trends auf dem europäischen Reisemarkt.
Die Umfrage umfasst sowohl Mitgliedsländer als auch Beitrittskandidaten und wurde im Februar 2010 durchgeführt. Die Befragung ergab, dass rund zwei Drittel der EU-Bürger 2009 eine private Reise unternommen haben. 27 Prozent der Befragten gaben an, dass sie neben einer Urlaubsreise auch noch eine Kurzreise unternommen haben. Ein geringeres Reiseaufkommen zeigt sich in einigen osteuropäischen Ländern wie Ungarn, Litauen und Rumänien sowie in Mittelmeerländern wie Italien, Portugal und Malta. Nach Reiseplänen für 2010 befragt, fiel die Türkei mit dem höchsten Anteil bei denen, die keinen Urlaub planen, auf. Im Hinblick auf die Urlaubsorte gab rund ein Drittel der Befragten an, einen Inlandsurlaub zu planen. Im Hinblick auf die Wünsche, die mit einem Urlaub verbunden werden, gaben 37 Prozent Erholung an. 19 Prozent gaben an, dass sie einen Sonne/Stand Urlaub wollen, während 17 Prozent Verwandte besuchen wollen. 25 Prozent gaben an, für sie sei die kulturelle Attraktivität ein wichtiges Kriterium bei der Urlaubswahl, 16 Prozent stellten den Unterhaltungswert in den Vordergrund. In den meisten Ländern überwog der Anteil derer, die traditionelle Ferienziele aufsuchen wollen.

Als besonders offen für neue Urlaubsziele erwiesen sich Litauen, Dänemark, Norwegen, Slowenien, Island, Schweden und Kroatien. In den meisten Ländern gibt mehr als die Hälfte der Befragten an, den Urlaub ohne Veranstalter selbst zu organisieren. In der Türkei erreicht ihr Anteil 82 Prozent der Urlauber. Rund ein Viertel der Urlauber entschied sich für eine Pakettour bzw. ein all-inclusive Angebot, wobei elf Prozent es über Internet buchten. Der Anteil der Reisebüros bei diesen Verkäufen blieb bei zehn Prozent.
Konzepte gefragt
In der Türkei stellt sich insbesondere für die Tourismuszentren an den Küsten die Aufgabe, Konzepte für eine
Verlängerung der Saison bzw. einer ganzjährigen Nutzung zu entwickeln. Der Weg hierzu führt über neue Zielgruppe und Investitionen in Formen des Tourismus, die in diesen Regionen bisher wenig verbreitet sind. Der Kongresstourismus beispielsweise ist in der Türkei in den vergangenen zehn Jahren außerordentlich gewachsen. Doch dieses Wachstum kommt insbesondere Istanbul zugute. Mit der Errichtung eines großen Kongresszentrums in Kooperation der Stadtverwaltung Alanya und der Industrie und Handelskammer Alanya soll insbesondere für Winter, Vor- und Nachsaison eine bessere Auslastung der hohen Übernachtungskapazitäten in Alanya erreicht werden. Die Bewirtschaftung des Kongresszentrums, das im kommenden Frühjahr eröffnet werden soll, erfolgt durch die Universität Antalya. Ebenfalls von der Saison weitgehend unabhängig ist der Sporttourismus. In den vergangenen Jahren hat sich die Provinz Antalya einen Namen beim Fußballtourismus gemacht. Mildes Klima, ausreichende Sportanlagen, eine breite Auswahl hochwertiger Hotels mit einem günstigen Preis-Leistungsverhältnis ziehen jedes Jahr tausende von Fußballern in die Provinz. Eine weitere Sportart, die ganzjährig Besucher anzieht, ist Golf. In den
vergangenen Jahren sind Golfanlagen eingerichtet worden, die internationalen Standards entsprechen und durch Meisterschaften weltweit bekannt geworden. Gleichwohl bleibt Leerstand für das Groß der Bettenkapazität nach wie vor ein schwieriges Problem. Während der türkische Tourismussektor bei der Regierung immer wieder auf Lösungen zur Sicherung der ganzjährigen Beschäftigung des Personals dringt, könnten vielleicht auch vom Calypso Projekt der EU Impulse ausgehen. Das Calypso Projekt hat eine Laufzeit von 2009-2011 und soll den Erfahrungsaustausch zum Sozialtourismus fördern. Als Zielgruppen des Sozialtourismus wurden einkommensschwache Familien, junge Reisende, Senioren und Behinderte ausgewählt. Die EU-Kommission verspricht sich vom Sozialtourismus zum einen sozialpolitische Gewinne für die Zielgruppen und zum anderen einen Beitrag für das Auslastungsproblem außerhalb der Saison. Für die Türkei könnte die Entwicklung und Vermarktung von Angeboten für europäische Rentner, die die kalte Jahreszeit lieber in wärmeren Gefilden verbringen wollen, einen wichtigen Beitrag zur Lösung der im Winter leer stehenden Kapazitäten leisten.
Gesundheitstourismus birgt Potenziale
Ein weiteres Wachstumsfeld des türkischen Tourismus stellt der Gesundheitstourismus dar. Während auf der einen Seite in Bereichen wie Zahn- und Augenmedizin Pauschalreisen angeboten werden, bietet auf der
anderen Seite die wachsende Zahl von SPAHotels die Möglichkeit zu Kuraufenthalten. Die Türkei verfügt über ein hohes Potenzial an Heilwasserquellen, das seit einigen Jahren systematisch erschlossen wird. Insbesondere mit einigen skandinavischen Ländern werden Gespräche mit Sozialversicherungen geführt, um diese kostengünstigeren Auslandsangebote zum Teil der Versicherungsleistungen werden zu lassen. Ein im Dezember 2009 vom Verein türkischer Geschäftsleute und Unternehmer TÜSIAD veröffentlichter Bericht zum Gesundheitstourismus geht davon aus, dass bis 2020 die Zahl der Besucher auf eine Million, die Einnahmen aus dem Gesundheitstourismus auf acht Milliarden Dollar steigen können. Als Referenz wird in dem Bericht auf die Zuwachsraten beim Gesundheitstourismus in Ländern wie Thailand, Singapur und Indien verwiesen. Für die Entwicklung des Gesundheitstourismus bringt die Türkei günstige Voraussetzungen mit. Zum einen bestehen intensive Beziehungen zu einigen interessanten Zielmärkten – neben Europa vor allem auch zum Nahen Osten. Zum anderen verfügt die Türkei über ein entwickeltes Gesundheitswesen mit einem fortgeschrittenen Privatsektor, der in der Lage ist, auch spezielle medizinische Eingriffe durchzuführen.
Unerschlossene Regionen
Die Türkei verfügt sowohl im Hinblick auf den Ökotourismus als auch beim Kulturtourismus über hohe bisher nicht erschlossene Potenziale. Insbesondere die Schwarzmeerregion bietet mit ihrer unverbrauchten Natur und landschaftlicher Schönheit sowohl für den Sommer- als auch für den Wintertourismus Destinationen, die bisher nicht als Produkte vermarktet werden. In den östlichen und südöstlichen Provinzen der Türkei sind bisher viele historische kulturelle Stätten nicht ausreichend erschlossen. Die Provinzen wiederum versprechen sich von der Entwicklung des Tourismus nicht nur Arbeitsplätze in bisher vor allem durch Arbeitslosigkeit und Landwirtschaft geprägten Regionen, sondern auch eine Entwicklung der Infrastruktur. Dies könnte Impulse geben, auch andere Wirtschaftszweige zu entwickeln.







